Geschichte KF Dieburg

“Katholischer Gesellenverein in Dieburg gegründet”, davon berichtet die Starkenburger Provinzialzeitung am 1. Juli 1895, und ergänzend am 19.Juli: ”30 Mitglieder haben sich bereits gemeldet. Die Versammlungen finden montags und mittwochs im Grünen Baum statt.” Der damalige Pfarrer Johannes Stumpf und der Schlossermeister Wilhelm Hiemenz sind wohl die treibenden Kräfte des jungen Vereins, als Kaplan in Bensheim hat Stumpf bereits ein Gesellenverein gegründet – Hiemenz ist als Schlossergeselle auf seiner Wanderschaft bereits 1888 in Stuttgart dem Gesellenverein beigetreten, und er wird in der Folgezeit über 40 Jahre Vizepräses im Dieburger Gesellenverein, der späteren Kolpingsfamilie.

Schon bald wird der junge Verein sehr aktiv und prägt das Leben in der kirchlichen und weltlichen Gemeinde mit. Eine Theaterspielgruppe und Gesangsabteilung bildet sich Liederbücher werden angeschafft und eine Vereinsbibliothek aufgebaut (1913 umfasst diese bereits 243 Bände). Bereits im Jan 1906 erfolgt ein großer Konzert- und Theaterabend unter dem Titel “Widukind”. Wegen des begeisternden Erfolges wird dieses Stück mehrfach wiederholt. Bis Ende der 1950er Jahre erhält sich die Tradition der Theateraufführungen Die letzten waren “Diener zweier Herren” (1957) und “Jedermann” (1959). Im geselligen Bereich sind schon bald die Kappenabende dazu gekommen, die bis in unsere Zeit hineindauern In den 30er Jahren gibt es schon bekannte “Bütten-Asse”, deren Auftritte überall gut ankommen.

Nach 1945 – während der 40 Jahre im Vereinslokal “Cafe Mayer” – gibt es zusätzlich eine Hauskapelle, ein Männerballett und vieles mehr. Im heutigen Vereinsheim – dem Pater Delp Haus – gibt es seit 1986 die “Don Camillo Bar”, die über die Fastnachtstage zu einem beliebten Publikumsmagneten wird.

Die Einsätze in Kirche und Gesellschaft sind besonderes Kennzeichen der Kolpingsfamilie. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgen gegenseitige Besuche mit anderen Kolpingsfamilien; Fahrten zu überregionalen Veranstaltungen; Konferenzen, Bildungs- und religiösen Seminaren und Wallfahrten (u.a. zwei Mal nach Rom 1961 und 1991). Die Kolpingsfamilie Dieburg ist selber mehrfach Gastgeber der jährlich stattfindenden Diözesankonferenz. 1969 kommt der langjährige Generalpräses des Kolpingwerkes, Heinrich Fischer, nach Dieburg zu einem feierlichen Gottesdienst in der Gnadenkapelle. Gleichzeitig findet eine Diözesan-Männerwallfahrt nach Dieburg statt. Beispiele gelebter Solidarität zeigen sich schon früh. Zum Beispiel gibt es seit 1908 eine “Weihnachtssparkasse”, die im Laufe des Jahres angefüllt und am Ende für besondere Zuwendungen verwendet wird. Dazu gehört auch, für durchreisende Gesellen Nachtquartier und Frühstück bereitzuhalten (an “Spitzentagen” kommen bis zu 6 Gesellen täglich).

Im November 1946 erfolgt eine Sammlung von Sachspenden im Wert von über 3.000,00 DM zugunsten Kriegsgefangener. Ein anderes Beispiel ist die Spende eines kompletten Werkzeugschrankes für Afrika (1956). Weitere Hilfsaktionen folgen, z.B. für Projekte in Brasilien, Portugal, Indien, Rumänien u.a. Regelmäßig werden aus dem Erlös der “Don Camillo Bar” beträchtliche Beträge für Soziale und Kirchliche Einrichtungen vor Ort aber auch weltweit weitergegeben.

Eine weitere Möglichkeit solidarisch zu sein sind Arbeitseinsätze. In den 1980er Jahren renovieren Kolpingmitglieder den Gemeindesaal des Pater Delp Hauses und die Werktagskapelle bei der Stadtkirche. 1988 reist eine Gruppe zu einem mehrtägigen Arbeitseinsatz nach Portugal. Kranken- und Altenbesuche gehören ebenfalls in diesen Bereich. Bildungsangebote in Form von Vorträgen, Lehrgängen, Klausuren, Filmen, Diskussions-Foren und Besichtigungen sind regelmäßig im Programm. Jubiläumsveranstaltungen – auch Stiftungsfeste genannt – sind willkommene Gelegenheiten die Arbeit der Kolpingsfamilie in einem größeren Rahmen darzustellen. Neben feierlichen Gottesdiensten, Gedenkstunden und Kundgebungen ist auch das Feiern mit der ganzen Kommune ein wesentliches Merkmal.

Der Blick in die Geschichte der Kolpingsfamilie zeigt, dass gerne und oft gefeiert wird. – und nicht nur die “runden Geburtstage”. Das 10-Jährige wird ebenso gefeiert wie das 14-Jährige; auch das 24-Jährige nach fünfjähriger Pause durch den l. Weltkrieg, aus dem 24 Mitglieder nicht mehr zurückkommen. Dann folgen im Abstand von nur 5 Jahren zwei Jubiläen, die zu den ganz großen und denkwürdigen Festen der Stadt Dieburg gehören. 1920 – beim 25-Jährigen – kommen Gäste aus über 22 Orten der näheren und weiteren Umgebung; alle örtlichen Vereine sind dabei, und es gibt einen Festzug mit 61 Nummern.

Noch imposanter ist der Ablauf der 30-Jahr-Feier. Verschiedene Ehrenpforten, Fahnen- und Girlanden-Schmuck, festlich geschmückte Pfarrkirche und Festhalle im Schloßgarten mit Vergnügungspark – die ganze Stadt hat sich herausgeputzt. Im großen Festzug sind u.a. 15 Handwerke jeweils auf einem eigenen Wagen prächtig dargestellt, auf denen gearbeitet wird und Erzeugnisse, wie “Mouze” (spezielle Dieburger Brötchen) und Würstchen unter der Menge verteilt werden.

Beim 50-Jährigen (1945 – Kriegsende) gibt es wenig Grund zu feiern aber große Erleichterung unter dem Motto “Wir sind wieder da”. Das 75-, 90- und 100-Jährige werden jeweils über ein ganzes Wochenende gefeiert.

Weitere gesellige und gemeinschaftliche Angebote sind u.a. die beliebten Auto-Suchfahrten (ab 1969); die späteren Fußgänger-Rallyes; die “Lukullischen Abende”; Fußball- Volleyball- und Tischtennisturniere; Kegel- und Schützenmeisterschaften; Tages- und Mehrtagesreisen (u.a. Berlin, Paris, Budapest, Wien, Hamburg); die jährlichen Kolpinggedenktage und vieles andere mehr.

Seit 1975 wird der “Churrasco“ (brasilianischer Spießbraten) zubereitet. Über mehrere Jahre wurde diese Spezialität durch unseren Kolpingbruder Heinrich Blank zubereitet. Über seinen Tod hinaus wird diese Tradition weitergepflegt. Diese Spezialität ist sehr begehrt und hat in Spitzenjahren schon bis zu 120 Gäste angelockt.

Seit 1999 gibt es eine sehr aktive Kolpingjugend in den Anfangszeiten mit bis zu sieben Gruppen. Es gab und gibt viele Angebote wie zum Beispiel wöchentliche Gruppenstunden, einen offenen Treff im Jugendkeller, einwöchige “Oster-Freizeit”; Zeltfreizeit im Sommer und Wochenendfreizeit im Herbst, Abholung des “Altenberger Lichts” am 1.Mai und das Johannisfeuer am KJG-Häuschen.

Für diese vorbildliche Arbeit wird die Kolpingsfarnilie Dieburg im Jahr 2000 vom Diözesanverband Mainz mit dem “Goldenen Schuh” ausgezeichnet.